Martin-Luther-Kirche Bissingen/Enz

Die Martin-Luther-Kirche steht im Mittelpunkt eines Mischgebietes in dem sich Wohnhäuser und Industriebetriebe die „Parzelle“ teilen, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis hinein in die siebziger Jahre ständig gewachsen ist. Zunächst fanden Gemeindeveranstaltungen  in einer Baracke, dann seit 1958 im angrenzenden Evangelischen Kindergarten statt. Am 5. Oktober 1969 wurde nach vielen gemeindlichen Aktivitäten und Diskussionen die Martin-Luther-Kirche mit Gemeindezentrum und Pfarrhaus eingeweiht. Das Gebäudeensemble gruppiert sich aufsteigend zur Kirche im offenen Rechteck um einen Innenhof, der 2003 mit einen Brunnen und Sitzbänken einladend umgestaltet wurde. Die Gebäude wurden nach Plänen von Architekt Dr. Ing. Walter Ruff erbaut. Die Martin-Luther-Kirche erhebt sich im Stil des Neuen Bauens an der Panorama­straße. Dabei drückt der moderne, funktional und ästhetisch gestaltete Kirchenbau aus Glas und Beton über die breite westliche Glasfensterfront aus farblosen Industriegläsern sowie bunten Antikgläsern die Offenheit zur Welt aus. Der Kunstmaler K.H. Schenk hat die von der Firma Neumann ausgeführte Glaswand entworfen. Die Form des Kreuzes prägt in unzähligen Variationen den Blick aus dem Kircheninneren und gleichzeitig führt die Wand mit ihrer aufsteigenden Höhe unweigerlich zum Altarraum der Kirche. Dorthin mündet auch die ganze Aufwärtsbewegung des Kirchengebäudes außen wie innen. Der Bildhauer Hans-Dieter Hegemann hat in die Kreuzgruppe modernes Industriematerial aufgenommen: angeschliffener und somit in der Oberfläche optisch strukturierter Edelstahl, der ein leuchtendes Lichtspiel bietet und so an den Glanz des göttlichen Lichts im irdischen Erlösungsgeschehen erinnert. Hinter dem massiven Holzaltar auf Stahlfüßen platziert, strebt die Gruppe dem Himmel zu. In ihrer drei­gliedrigen Gestalt assoziiert sie Golgatha, Emmaus und die Nachfolge Jesu gleichermaßen. Links vorn an der Ostwand ragt die fünfeckige Orgelempore in den Raum. Die Orgel der Bietigheimer Orgelbaufirma Steirer-Stahl hat dreizehn Register. Der Innenraum ist zum Gemeindesaal hin nach hinten durch eine Schiebetür getrennt, so dass sowohl Kirche wie Gemeinderaum vergrößert werden können. „Das Wort ward Fleisch“, das bedeutet die die Kirche umgebende Welt nicht nur in Baustil und Material nach innen zu holen, sondern bis heute auch in Jugendver­anstaltungen , Basaren, großen Kaffeetafeln, Theaterauf­führ­ung­en, Podiums­diskus­sionen. Diese Veranstal­tungen und die ganz verschiedenen Gottesdienste verkünden das befreiende Evangelium von Gottes Reich in Gerechtigkeit und Frieden, das uns in Jesus Christus als dem Wort Gottes entgegentritt und begleitet. Die einfache und moderne Klarheit des Kirchenraumes dient der zeitgemäßen Feier und dem Alltag der Gemeinde durch die Zeiten auch im 21. Jahrhundert.