Kilianskirche

Im alten Bissinger Ortskern der Stadt Bietigheim-Bissingen steht die spätgotische Kilianskirche. Das Gotteshaus wurde von 1517 bis 1533 in vorreformatorischer Zeit durch das Markgröninger Heilig-Geist-Spital erbaut. Hinweise auf Seitenaltäre, zwei vorhandene Priesternischen, ein Sakramenthäuschen und die Spuren eines abgebauten Lettners weisen zurück in die Erbauungszeit. Da im Jahre 1534  die Reformation in Württemberg eingeführt wurde, dürfte die Kirche wohl von Anfang an als evangelische Kirche genutzt worden sein.

Schon im 6./7. Jahrhundert dürfte an dieser Stelle eine Holzkirche gestanden haben. Später folgten steinerne Kirchenbauten, deren Fundamente unter dem Fußboden im Chor vorhanden sind. Aus dem 14. Jahrhundert und damit von der Vorgängerkirche stammt der Taufstein. Auf das Jahr 1490 geht die Grabplatte eines Markgröninger Priestermönches zurück
Die Kilianskirche strahlt heute eine einzigartige Harmonie aus. Das Innere und Äußere bildet zusammen ein stimmiges Ganzes. Das spätgotische Bauwerk ist unverändert erhalten geblieben. Es gibt keine störenden Veränderungen. Nur der Turm wurde erhöht und bekam im Jahre 1614 ein zusätzliches viertes Geschoss.
Die unterschiedlichen kunstreichen Maßwerke der Fenster und das Kreuzrippengewölbe üben zusammen mit der vollständigen Bemalung der Wände eine besondere Faszination aus. Die Wandgemälde füllen die Innenwände von Chor und Langhaus. Die Ausmalung erfolgte in Jahren 1677 und 1691. Die nachreformatorischen Bilder nehmen durchweg biblische Motive auf. Über den Bildern stehen erläuternde Bibelworte. Unter ihnen sind die Namen der Stifter verewigt. Um die Bilder herum ist ein rotbrauner Rollwerkrahmen gemalt. Aus dem Alten Testament ist unter anderem das Motiv der Kalebstraube gemalt, die Jonageschichte und auch Josef, wie er aus dem Brunnen gezogen wird. Aus dem Neuen Testament finden sich Bilder von der Geburtsgeschichte bis zur Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt.
Die Bilder wurden im 18. Jahrhundert weiß übertüncht. Um für die wachsende Zahl der Bevölkerung Platz zu schaffen, mussten Emporen eingebaut werden. Die Bilder störten. Bei der Renovierung 1960/61 wurden sie wieder freigelegt. Damals wurde die Engeldecke im Langhaus abgebaut. Die Tragekonstruktion der Balkendecke kam zum Vorschein. Im Dachstuhl, in dem sich auch Fledermäuse befinden, entdeckt man Floßaugen. Sie sind der Beweis dafür, dass das Holz vom Schwarzwald nach Bissingen geflößt wurde.
Reste der Engeldecke befinden sich im zweiten Turmgeschoss. Das Kruzifix über dem Altar stammt aus dem 18. Jahrhundert wie auch die Brüstungsbilder an der Empore.
Die Kilianskirche hat ihren Namen vom irischen Wanderbischof Kilian, der ab 685 im Frankenland missionierte. Er wurde 689 in Würzburg hingerichtet und galt früh als vorbildlicher Märtyrer. Seine Ausstrahlung reichte bis nach Bissingen.