Die Organspende

Organspendeausweis

Organe werden meistens nicht lebenden, sondern sog. hirntoten Spendern entnommen. Hierbei stehen viele vor der Frage, ob eine Organentnahme dann nicht doch einem Töten gleichkommt. Aus medizinischer Sicht handelt es sich beim Hirntod um den völligen Verlust der Hirntätigkeit, nicht bloß um eine Bewusstlosigkeit. Das Gehirn ist so schwer geschädigt, das der Kreislauf künstlich aufrecht erhalten werden muss. Der Mensch kann nach gängiger medizinischer Auffassung nichts mehr wahrnehmen, empfinden und nicht mehr das Bewusstsein wiedererlangen. Erst wenn zwei Ärzte voneinander unabhängig den Hirntod festgestellt haben, dürfen Organe entnommen werden

Auch wenn es sich bei einer Organspende daher aus medizinischer, rechtlicher und christlicher Sicht nicht um Töten handelt, können dies Angehörige anders empfinden. Oder es wird für sie zu einer großen Erschwernis beim Trauern und Abschiednehmen, wenn z.B. ein schon (hirn-)toter Körper für eine Transplantation noch künstlich am Leben erhalten wird.

Lassen sie sich nicht drängen und nehmen Sie sich Zeit für eine Entscheidung, mit der Sie in Würde trauern und weiterleben können. Suchen Sie, wenn Sie das möchten, zur eigenen Klärung das Gespräch mit einer Seelsorgerin / einem Seelsorger Ihrer Kirchengemeinde oder eines Krankenhauses. Dies kann auch  nach einer solchen Entscheidung sinnvoll sein, um z. B. über später aufgekommene Zweifel oder Schuldgefühle zu sprechen.

Sie können sich auch unter dem folgenden Link zur Klärung informieren:
Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD (1990) zur Organtransplantation.

Wer entscheidet über eine Organspende?
Unter Umständen werden Sie gebeten, einer Organ- oder Gewebespende zuzustimmen. Hat der / die Verstorbene nicht selbst eine Entscheidung dafür oder dagegen getroffen hat, z.B. in einem Organspendeausweis, entscheiden darüber die nächsten Angehörigen. Sie müssen hierbei den mutmaßlichen Willen der Verstorbenen berücksichtigen.

Im christlichen Verständnis handelt ein Menschen grundsätzlich ethisch verantwortlich, wenn er einer Organspende nach dem Tod zustimmt. Sie kann ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken sein, deren Leben so gerettet oder verlängert werden kann. Und eine solche Entscheidung steht dem Respekt gegenüber dem Toten dann nicht entgegen, wenn sie nicht gegen seinen Willen getroffen wurde.

Nach evangelischem Verständnis steht eine solche Entscheidung nicht der christlichen Hoffnung auf Auferstehung und ein ewiges Leben entgegen. Diese Hoffnung bezieht sich nicht auf einen unversehrten Körper, sondern auf das Vertrauen, dass Gott aus dem Tod zum Leben eine völlige Verwandlung unseres Lebens und Leibes bewirkt.

Kein Mensch ist zu einer Organspende verpflichtet und weder er noch seine Angehörigen dürfen dazu gedrängt werden. Manchen erscheint es Sinne des Verstorbenen oder selbst tröstlich, wenn auf diese Weise zum Weiterleben anderer Menschen beigetragen wird. Andere empfinden dies als unvereinbar mit der Würde und Ruhe des Toten.

Organspende - ein Geschenk - aber oft auch eine schwierige Entscheidung für die Angehörigen